Die grundlegenden Fragen

Die grundlegenden Fragen des Menschen lautet: Wo komme ich her? Was will ich? Und Wo gehe ich hin? Diese Fragen zeigen zwar eine grundsätzliche Neugier dem Leben gegenüber, aber auch eine tiefliegende Täuschung. Sie zeigen auch, dass wir in drei Dimensionen und der vierten, der Zeit gefangen sind. Jede dieser Fragen setzt ungefragt voraus, dass wir hier und jetzt tatsächlich existieren und es darüber hinaus eine weitere Existenz bzw. eine Zeit gibt, in der wir weiter existieren werden. Wissen können wir nichts dergleichen, messen unser Leben aber ständig an den von uns selber gesetzten Maßstäben, die wir schlichtweg von anderen übernommen haben. All das muss nicht bedeuten, dass diese Vorannahme falsch ist, aber einfach von uns nicht hinterfragt wurden und somit als Wahrheiten oder zumindest hilfreiche Referenz fungieren. Damit sind sie aber nicht notwendigerweise wahr. Alles, was ich denken kann, bin nicht ich. Alles, was ich bin, kann ICH nicht denken. Und doch: alles mich Umgebende, allesp, dass ich denke, ist nichts anderes, als ich selber. In der objektiven Existenz all dessen, was gesehen wird, liegt das Wesen alles Subjektiven. Das Subjektive ist in den Objekten nicht zu finden, da es ja kein Objekt ist, sondern rein subjektiv wirkt und somit eine reine Funktion ist. Das Objektive wiederum ist nichts anderes, als die Realisierung des Subjekts. Subjektiv sein heißt, Objekte zu schaffen. Aber weder existiert so etwas, wie ein Objekt, noch existiert ein Subjekt, das auch nur im Entferntesten objekthaft wäre.

Wenn wir uns vorstellen, mehr zu sein, als das, was wir sehen und fühlen können, dann ist das nicht der unpersönliche Status allen Seins, dem wir uns verbunden fühlen. Wenn vergessen wird, dass der Mensch ganz klein und alles Sein ganz groß ist, verwechselt der Mensch sein wahres Wesen mit dem Wesen von Objekten. Da dieser Mensch aber niemals Objekt sein kann, sondern lediglich in seinem eigenen Traum von sich selbst als ein in einem Traum lebenden Charakter, der er selber zu sein gedenkt. Das ganze Leben eines Menschen wird somit bloß zu dem, was er sich unter „sich selbst“ vorstellen und wie er als solches handeln kann, um in einer Welt zu leben, weil er selber glaubt, in ihr leben zu müssen. In diesem Sinne lebt er – um es mit Leibniz zu sagen – in der besten aller möglichen Welten. Es gibt jedoch diese beste aller Welten nicht, denn sie existiert, wie alles andere nur in unserem Kopf. Wenn die Welt – und alles, was wir in ihr finden – sowieso in unserem Kopf stattfindet, dann ist es müßig, darüber nachzudenken, ob wir in einer besten oder einer schlechten Welt leben, da sie ja nichts anders als ICH ist. Und zwar in dem Sinne, dass sie ja nirgends anders vorkommt, außer in und als uns selbst. Die Welt, in der wir leben, ist schlicht und ergreifend WIR. Wenn etwas, das wir bisher gewesen zu sein glaubten, aus dieser sogenannten äußeren Welt zurück tritt, dann ist alles, was übrig bleibt, nichts, das je da gewesen wäre, außer in der von uns erzeugten Einbildung/Wahrnehmung. Der Mensch lebt in und von der Einbildung allein. Nichts anderes gilt ihm als seine lebendige Substanz. Das, was er als Substanz, oder als substanzielles Etwas oder als Sein bezeichnet, ist auf Einbildung durch seine Sinne aufgebaut.

Die Buddhisten bezeichnen es als die fünf Skandhas. Diese fünf Skandhas sind aber keine Sinne, sondern bezeichnen vielmehr das Zusammenspiel von Wahrnehmung, Wahrnehmendem und Wahrgenommenem oder als Sehen, Gesehenem und Sehendem. Das gleiche gilt für jeweils alle anderen Sinne auch. Somit stellen sie klar, dass da kein individuelles ich ist, das andere individuelle Ichs oder Objekte, oder als Objekte wahrgenommene Ichs gibt, sondern dass ihre innere Natur leer ist. Diese in der buddhistischen Tradition bekannt gewordene Leere ist aber nicht von einer Substanz leer, sondern bezeichnet die grundsätzliche Abhängigkeit allen Seins und ist somit leer von Existenz. So kann kein Ding an sich und für sich oder -wie Hegel es ausdrückt -an und für sich existieren. Alles Leben, dieser ganze sogenannte Dharma ist alles, was ist. Hier ist kein Platz für ein Etwas, und dann noch für eines, das alleine stehen soll, völlig unabhängig von der ganzen Existenz. Alle Dinge scheinen sich zu bedingen, scheinen aufeinander aufzubauen und sich zu benötigen, um sich die gegenseitige scheinbare Existenz zu bestätigen. Doch auch dieser Ansatz trifft nicht ins Herz aller Dinge, da es nicht einmal ein Gesetz geben kann, dieses würde sich seiner eigenen Aussage nach selber verneinen.

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